Blog für Autoren

Drei-Akt-Struktur

Lässt sich in einer Geschichte eine glasklare Struktur erkennen, verbirgt sich dahinter oft ein Aufbau in drei Akten. Basis aller Drei-Akter ist zunächst einmal die Aufteilung in Einleitung, Konfrontation und Resolution. Doch gerade klassische Hollywoodfilme sind weit überwiegend nach dem speziellen Drei-Akt-Modell des Autors Syd Field gestrickt. Das Modell, das Field erstmals in seinem Buch Screenplay aus dem Jahr 1979 beschrieb, hat sich im Laufe der Zeit geringfügig gewandelt, und sieht heute in etwa so aus: 

Grafik der Drei-Akt-Struktur nach Syd Field

Wozu ist eine Drei-Akt-Struktur nützlich?

Wozu Texte überhaupt in drei Akte unterteilen? Nun, um es kurz zu machen, damit sie nicht langweilig werden. Wenn du auf Struktur in deinen Storys verzichtest läufst du Gefahr, dass du a) den roten Faden verlierst und deine Leser dir nicht mehr folgen können und dass b) zu lange nichts Interessantes passiert, und du auch in diesem Falle die Leser verlierst. Eine Drei-Akt-Struktur verhindert dies, indem sie dir einen logischen und leicht zu folgenden Aufbau der Ereignisse ermöglicht und dich dazu zwingt, deiner Geschichte alle paar Kapitel einen Twist zu geben.

Sehen wir uns die einzelnen Elemente der Drei-Akt-Struktur daher einmal genauer an.

Akt 1 – Set-Up

Der erste Akt bildet die Einleitung der Geschichte und stellt die Protagonisten sowie die Welt, in der sie leben, vor. Üblicherweise werden in diesem Teil die wichtigsten Charaktermerkmale, Schwächen und Hintergründe erläutert. „Want“ und „Need“ werden angedeutet.

Inciting Incident

Unser nun etablierter Charakter lebt vor sich hin, bis der “Inciting Incident” passiert. Das ist das Ereignis, das den eigentlichen Plot auslöst. Der Hauptcharakter gerät in eine Situation, auf die er/sie reagieren muss. Das Abenteuer ruft, hat aber noch nicht begonnen.

Ein paar Beispiele: 

  • Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes: Indie wird von der US-Regierung rekrutiert.
  • Harry Potter 1: Harry erfährt, dass er ein Zauberer ist.
  • Gone Girl: Amy ist verschwunden.

First Plotpoint

Der erste Plotpunkt ereignet sich üblicherweise nach etwa 25 Prozent des Textes und markiert das Ende des ersten Akts und den Beginn des zweiten. An dieser Stelle geschieht etwas Unumkehrbares. Der Protagonist lässt sein normales Leben hinter sich und stürzt sich in die Haupthandlung. Er/sie geht sozusagen auf die Reise. Der zentrale Konflikt beginnt.

Beispiele: 

  • Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes: Die Nazis brennen Mariannes Bar nieder.
  • Harry Potter 1: Harry macht sich auf den Weg nach Hogwarts.
  • Gone Girl: Die Polizei findet Amys ersten Hinweis. Nick wird zum Verdächtigen.

Akt 2 – Confrontation

Im zweiten Akt spielt sich der Hauptteil der Handlung ab. Hier kommt der zentrale Konflikt zum Tragen. 

Midpoint

Etwa nach der Hälfte der Handlung ereignet sich der zweite wichtige Plotpunkt, der „Midpoint“. Hier ändert sich der Fokus der Geschichte. In der Regel fällt der Midpoint auch mit einem Einstellungswandel des Protagonisten zusammen, schreibt Autorin K.M. Weiland. Während der Protagonist in der ersten Hälfte der Geschichte noch damit beschäftigt ist, auf Ereignisse zu reagieren, nimmt er die Sache nach dem Midpoint selbst in die Hand und verfolgt aktiv seine Ziele.

Nicht immer verläuft die Neufokussierung in der zweiten Hälfte des zweiten Aktes erfolgreich. Viele Geschichten verlieren an Schwung oder es ist einfach nicht mehr genug echte Handlung vorhanden, sodass dieser Teil mit Füllmaterial über Wasser gehalten wird. Man spricht dann auch von „second act sag“, dem Durchhänger im zweiten Akt.

Beispiele Midpoint:

  • Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes: Indie findet heraus, wo der Schatz verborgen ist.
  • Harry Potter 1: Harry stürzt vom Besen und glaubt daher, Snape sei böse.
  • Gone Girl: Amy ist am Leben und erzählt ihre wahre Geschichte.

Second Plotpoint

Nach etwa 75 Prozent der Handlung ereignet sich der zweite Plotpunkt, der den Übergang in den dritten Akt einleitet. Der zweite Plotpunkt beinhaltet meist einen Tiefpunkt für den Protagonisten. Der Plan scheint gescheitert und er muss neuen Anlauf nehmen, um sein Ziel im dritten Teil zu erreichen.

  • Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes: Marianne und der Schatz werden entführt.
  • Harry Potter 1: Harry entdeckt im Wald Voldemort und entkommt gerade so mit dem Leben.
  • Gone Girl: Amy wird Desis Gefangene, Nick kommt hinter ihren Plan.

Akt 3 – Resolution

Im dritten Akt löst sich der zentrale Konflikt der Geschichte. Unser Protagonist weiß nun, wie er sein Ziel erreichen kann, was zu tun ist, um den Bösen zu besiegen oder seine Liebste zu erobern. Er hat nun alle Fähigkeiten und Informationen, um frühere Fehler zu korrigieren und zum finalen Schlag auszuholen.

Climax

Im Klimax löst sich der zentrale Konflikt. Hier ereignet sich sozusagen der finale Kampf. Er wird gefolgt von der Resolution, in der sich alles zum Guten (oder Schlechten) wendet. Die Fragen, die im Laufe des Textes aufgetaucht sind, sind nun beantwortet.

  • Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes: Die Nazis werden von der Bundeslade getötet. In der Resolution bekommt Indie das Mädchen und der Schatz kommt in ein Lager.
  • Harry Potter 1: Harry tötet Quirrell und Voldemort entkommt. In der Resolution gewinnen Harry und seine Freunde den Hauspokal.
  • Gone Girl: Amy tötet Desi und kommt zurück nachhause, wodurch Nick entlastet wird. In der Resolution spielen Nick und Amy die perfekte Familie.

Ist die Drei-Akt-Struktur ein Muss?

Texte, gleich ob Drehbücher, Romane, Werbung, journalistische Artikel, wissenschaftliche Arbeiten oder einfach nur eine Argumentation in drei Teile zu teilen, folgt einem natürlichen Rhythmus. Ob dies in der westlichen Kultur erlernt ist oder tatsächlich einfach in der Natur der Sache liegt, daran scheiden sich die Geister.

Fakt ist jedoch, dass die Drei-Akt-Struktur bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit ist, Texte zu strukturieren. Oft wird an dieser Stelle die Fünf-Akt-Struktur Shakespeares herangezogen, wobei ich gleich dazu sagen muss, dass auch diese sich in drei Akte pressen lässt, wenn man es denn darauf anlegt. Doch es gibt, nicht ohne Grund, auch viele Autoren, die nichts davon halten, ihre Texte in eine vorgegebene Aktstruktur zu zwängen. Allen, die ganz genau wissen möchten, was eine gute und sinnvolle Struktur ausmacht, kann ich das Buch „Into the Woods“ von John Yorke empfehlen.

Letztendlich ist es wichtiger, dass sich eine Geschichte organisch und logisch entwickelt, als dass sie bestimmte Plotpunkte an bestimmten Stellen trifft. Dennoch, eine gewisse Struktur kann keinem Text schaden. Und da die Drei-Akt-Struktur wunderbar einfach zu verstehen ist, kann ich gerade Schreibanfängern nur empfehlen, zumindest einmal ein wenig damit zu experimentieren.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen